Ein inklusives Schneesport-Projekt

Wer schon einmal auf Skiern stand, kennt das Gefühl von Geschwindigkeit und Fliehkraft, wenn man die verschneiten Berge hinunterfährt; weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem der kalte Wind um die Nase fegt und vergisst nie, wieviel Spaß so eine Abfahrt machen kann. Für Menschen mit einem körperlich-motorischen Handicap sind diese Körper- und Bewegungserfahrungen allerdings nur begrenzt erfahrbar. Insbesondere viele Rollstuhlfahrer haben aufgrund der landschaftlichen Bedingungen Berge und Täler noch nie als Sport-Raum erlebt. Deshalb fahren jedes Jahr Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase des CDGs gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen der Wuppertaler LVR-Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung Ski, um genau diese Erfahrungen im Schnee möglich zu machen. Hierfür lernen alle Schülerinnen und Schüler das Fahren und den verantwortlichen Umgang mit Mono- und Bi-Skigeräten (Variante des Skilaufens auf ein bzw. zwei Ski), die schließlich auf einer gemeinsamen Skifahrt in den Bergen zum Einsatz kommen. Herr Niedner rief dieses kooperative Projekt schon 2009 ins Leben.

Vorbereitung der Skifahrt

Das Projekt erstreckt sich über einen Zeitraum von einem Schuljahr. Schon Monate vor der einwöchigen Skifahrt in den Bayrischen Wald im März, lernen sich die Schülerinnen und Schüler beider Schulen kennen. In der Neusser Skihalle können erste Erfahrungen mit den Geräten gesammelt und spezifische Abläufe wie das An- und Abschnallen und das sachgerechte Liften eingeübt werden. Nach und nach entstehen dabei Tandems, die auch auf der Skifahrt bestehen bleiben. Jedes Tandem wird dabei von einer Lehrkraft begleitet und unterstützt.

Gemeinsam Berge bezwingen

Im März heißt es dann für alle: Ab auf die Piste. Und zwar eine Woche lang in den Bayrischen Wald. Das behindertengerechte Gasthaus liegt nur wenige Kilometer vom Skigebiet entfernt. Jeden Morgen werden gemeinsam alle notwenigen Vorbereitungen getroffen, bei denen alle nach ihren Möglichkeiten mithelfen. Es müssen zahlreiche Geräte in die Transporter ein- und später wieder ausgeladen, Wärmflaschen und Fußsäcke für die Mono- und Bi-Skifahrer vorbereitet und schließlich alle Materialien fachgerecht und unter Beachtung von Sicherheitsvorgaben angelegt und festgeschnallt werden.

Am Fuße des Berges angekommen starten alle Skifahrer erst einmal ein kurzes Aufwärmprogramm: Fäuste werden auf Oberschenkel und Oberkörper getrommelt und die Arme gekreist. Die Tandems testen die Schneebeschaffenheit und schieben, drehen oder ziehen die Geräte erst einmal in der Ebene. Bevor es dann richtig losgehen kann, muss der Schlepplift die Skitruppe erst einmal auf 860 Höhenmeter bringen. Oben angekommen, hat man einen tollen Blick über den Bayrischen Wald und in die Ferne. Doch trotz aller Faszination für die Natur wird schon beim Hochfahren deutlich, wie steil die 400m lange Piste in Wirklichkeit ist. Was mit Blick von unten noch harmlos erschien, entpuppt sich weiter oben abschüssiger und buckeliger als angenommen – eine richtige Herausforderung. Durch viele kleine Aufgaben und Übungen im Schnee werden die Schülerinnen und Schüler schnell sicherer und werden zu einem eingespielten Team. Für geübte und mutige Tandems ergibt sich im Laufe der Woche auch die Möglichkeit, eine Pistenstrecke durch einen Wald zu fahren.

Das Projekt „Miteinander Skifahren“ ist für viele mehr als nur eine Woche Skifahren. Denn es ermöglicht nicht nur neue Erfahrungen im Schnee und auf der Piste, sondern fördert insbesondere auch den Respekt hinsichtlich des Anderseins.

 

Bianca Becker und Stefan Niedner